Interview mit der Schulleitung

Die Diani-Maendeleo Academy wurde vor zehn Jahren von der Deutschen Ingeborg Langefeld ins Leben gerufen und bis heute von ihr geleitet. Für die Verwirklichung ihres Traumes wurde in Deutschland der gemeinnützige Verein Girl’s Hope e.V. gegründet, der die Schule durch Patenschaften und Sponsorships unterstützt.

Wir haben uns vor Ort in Kenia mit Frau Langefeld zusammengesetzt und wollten von ihr wissen wie sie die Ausbildungssituation in Kenia und das Projekt maendeleo kenia einschätzt.

Daniel: Danke dass du dir die Zeit genommen hast, um dieses kurze Interview zu führen, damit Außenstehende ein besseres Bild von dem Projekt, der Schule und der Situation hier in Kenia bekommen.
Zur Situation: Worin siehst du die Notwendigkeit eines solchen Trainingscenters wie wir es planen?

Fr. Langefeld: Ich denke das Problem ist, dass es hier sehr sehr viele Primary Schools also Grundschulen gibt. Es gibt auch mittlerweile viele Secondary Schools (weiterführende Schulen), aber dann bricht es für ganz viele Leute ab. Die können sich dann – vor allem wenn es im Vorfeld schon finanzielle Engpässe gab – keine weiterführenden Maßnahmen mehr leisten. Und genau da sollte man einschreiten, denke ich.

Daniel: Wenn du von weiterführenden Maßnahmen sprichst meinst du den typischen College- bzw. Universitätswerdegang von jungen Menschen. Wie sieht es für „einfache“ Schulabgänger aus? Wie gestaltet sich dort für gewöhnlich der Berufseinstieg?

Fr. Langefeld: Ganz unterschiedlich. Ganz schwierig. Wir haben hier das System, dass auf 8 Jahre Primary School 4 Jahre Secondary School folgen. Wir haben keine Aufteilung in Haupt-, Realschule oder Gymnasium. Das bedeutet man beendet nur die Primary School, womit man nicht viel machen kann. Oder man besucht die Secondary School und dann entscheidet sich was man damit machen entsprechend der Leistungen, die man erbringt.
Es gibt Leute, die nicht gut abschließen in der Secondary School, weil ihre Qualitäten nicht im intellektuellen Bereich liegen, aber dafür große Stärken in anderen Bereich aufweisen. Die guten Schüler gehen nach dem Abschluss auf die Universität oder absolvieren eine Ausbildung durch ein College – wenn sie es sich denn leisten können.
Die andere Variante ist die Absolvierung eines Trainings in einem Unternehmen. Hier gibt es Anlernphasen zwischen 3 Monaten und 1 Jahr, in denen der Berufseinsteiger für einen Job qualifiziert wird.

Daniel: Ist so etwas mit dem deutschen Ausbildungssystem vergleichbar?

Fr. Langefeld: Nein ich denke nicht. Man kann hier eher von einem Train-on-the-Job Prinzip sprechen. Es gibt kein vereinheitlichtes Programm, sondern die Ausbildungen und deren Inhalte variieren sehr stark. Zudem kommt, dass in einer Anlernphase normalerweise kein Gehalt gezahlt wird.

Daniel: Also ist es für mich sehr schwer als Azubi später einen anderen Job in einem anderen Unternehmen auszuführen?

Fr. Langefeld: Durch diese kurzen Anlernphasen gestaltet sich ein allgemeiner Berufseinstieg oft schwierig. Wobei es hier in Kenia bis vor einiger Zeit ein durchaus funktionierendes System von Polytechnics (Berufsschulen Anm.d.Red.), das von der kenianischen Regierung aus Gründen, die sich mir nicht erschließen abgeschafft worden ist. Man hat diese Polytechnics, in denen man eine wirklich gute Ausbildung zum Elektriker beispielsweise bekam in Universitäten umgewandelt. Als Folge dessen bleiben nun Leute, die ein dazwischen hängen ein wenig auf der Strecke.

Daniel: Also gibt es hier keinerlei staatliche Maßnahmen mehr?

Fr. Langefeld:  Vom Staat gibt fast keine Initiative mehr. Es gibt eine Reihe von privaten Initiativen und kirchlichen Initiativen. Aber das System als solches funktioniert derzeit gar nicht.

Daniel: Danke für deine Einschätzung zu dieser Situation. Jetzt wollen wir ja zusammen ein Trainings-Center aufbauen, das genau an dieser Problematik ansetzt. Was versprichst du dir persönlich von diesem Trainings-Center und wann würdest du dieses Trainings-Center als Erfolg verbuchen?

Fr. Langefeld: Für mich ist dieses Trainings-Center zweigleisig zu sehen. Das eine ist der Bereich Training um dann anschließend Schneiderin zu sein. Das ist eher eine relative niedrigere Qualifikation. Da verspreche ich mir zum Beispiel Chancen für meine schwächeren Schülerinnen, die sonst eher weniger Chancen haben, so dass denen eher eine Möglichkeit geboten wird etwas praktisches zu tun.
Der zweite Teil des Trainings-Centers ist der Bereich des Managements, der Frage „Wie betreibe ich mein eigenes Unternehmen?“, der ja doch qualifiziertere Arbeit voraussetzt. Und das sind natürlich eher Schülerinnen, die auch bessere Leistungen erbringen. Da muss man dann schauen, wie man denen weiterhelfen kann. Ich denke, dass wir es hoffentlich schaffen relativ viele Leute in die Selbstständigkeit zu führen. Arbeitslosigkeit in Kenia nach meiner Kenntnis im Moment im Durchschnitt über 40%. Bei den niedrig qualifizierten vermutlich höher. Da würde ich gerne Ansetzen und Erfolge verbuchen.
Den wirklichen Erfolg des Projektes kann man dann nur an der Zahl der Leute, die zumindest ein Jahr absolvieren und dann in Lage sind ihren eigenen Lebensunterhalt zu verdienen.

Daniel: Also du kalkulierst das doch eher konservativ, wenn man berücksichtigt, dass die Ausbildung auf zwei Jahre angelegt ist?

Fr. Langefeld: Ja auf jeden Fall. So lange sie ein Jahr schaffen, haben sie zumindest die Qualifikation in einer kleinen Schneiderei einen Job zu finden. Und das würde ich im Hinblick auf die vorhin angesprochenen Probleme als Erfolg einordnen.

Daniel: Danke für das Gespräch und deine persönlichen Einschätzungen als jemand, der schon viele Jahre hier in Kenia lebt.

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